Meine Me-Zone und Gedanken vor dem 40.

Neulich habe ich mir mal ganz alleine einen Kinobesuch gegönnt, und musste erschrocken feststellen, dass ich mit fast 40 eine seltene Spezies bin, die a) alleine ausgeht und b) sich daran stört wie eine Sardine im Kino eingequetscht zu sein. Meine Me-Zone war deutlich verletzt – ich habe bestimmt die Hälfte des Filmes an Zeit verschwendet, eine Sitzposition zu finden, in der ich weder den Arm meines linken Sitznachbarn an meinem Arm liegen hatte, noch das Knie meines rechten Sitznachbarn an dem meinigen spüren musste.

Nennt mich spießig, aber ich möchte nicht ungefragt von anderen Menschen und insbesondere Männern berührt werden. Die ich weder kenne noch kennenlernen möchte.

Aufgrund meiner Körperfülle frage ich mich natürlich: ist das weil ich eh mehr bin oder geht das dünnen Frauen auch so?

Es ist natürlich kein schwerwiegendes Problem und ich werde deshalb trotzdem noch ins Kino gehen, aber es ist mir schon negativ aufgefallen.

Überhaupt diese Unart: den ganz Film über zu fressen und dabei zu Schmatzen wie ein Schwein und dann noch das berühmte „wir versauen allen den Film durch unser permanentes Gequatsche“ Pärchen. Da hatte ich doch glatt das ganz große Los gezogen! Furchtbar!

Ich merke, dass ich viele Menschen überhaupt nicht leiden kann. Vielleicht sollte ich doch nicht mehr ins Kino gehen…

Aber auf so einer großen Leinwand und dem Sound sind manche Filme einfach schon großartig! Also muss ich an solchen Tagen meine Me-Zone wohl drastisch minimieren. Denn auch meine Schattenseite möchte geliebt sein und John Wick 3 ist prädestiniert dafür 🙂 Nach dem Film ging es mir deutlich besser 😀 Es ist ethisch auch noch völlig korrekt: es stirbt kein Unschuldiger – das finde ich grandios und so kann ich mich dem ganzen Spektakel komplett hingeben. Einfach fantastisch. Ich schweife ab. Zurück zum Thema.

Mir fällt auf, dass es aber auch im alltäglichen Leben Menschen gibt, die die Me-Zone anderer völlig missachten. Menschen, die viel zu nah an andere herangehen beim Sprechen – gruselig. Menschen, die anderen immer und ständig ihre Meinung aufdrücken wollen – erbärmlich.

Wenn ich mir also recht überlege, sind dann Menschen, die ich nur kurzzeitig im Kino ertragen muss, mir dann doch lieber 😉

Ja mei und wer es seltsam findet, dass ich mit knapp 40 alleine ausgehe – find ich überhaupt nicht. Das ist meine Me-Time. Ich brauche es immer wieder mal nur für mich zu sein. Das ist super wichtig für mich und es ist mir egal ob es andere seltsam finden oder nicht. Ich finde Menschen seltsam, die es keine Stunde mit sich selbst alleine aushalten.

Für mich ist Me-Time, dass ich mich um mich selbst kümmern kann, reflektieren kann über meine Woche, mein Leben und mich selbst. Mit 40 braucht man sowas 🙂 Nein, Spaß. Das war bei mir schon immer so nur dass ich dieses Bedürfnis lange Zeit verdeckt hatte. inzwischen hege und pflege ich es aber. Einfach nur für mich.

Das sind die positiven Aspekte des Älter werden: ich bin viel mehr für mich selbst da und gebe dadurch gleichzeitig mehr Liebe in die Welt. Finde ich persönlich genial, und ich bin heilfroh dieses Mindset verinnerlicht zu haben.

Älter werden hat unglaublich tolle Seiten, aber auch unglaublich beschissene. Da muss man schon ehrlich sein. Ich hasse die Augenlid-Falte! Ja verdammt, ich hasse sie! Das Augenlid sackt langsam aber sicher immer weiter runter – da gehört es verdammt noch mal nicht hin. Es gehört weiter oben hin! Weiter oben! Genauso wie die Brüste. Was soll der Scheiß. Ja, damit hadere ich. Und ja, da ich dick bin, habe ich am Körper diese Auswirkungen des Alterns wohl eher als schlanke Damen. Ich weiß es natürlich nicht, könnte ich mir nur vorstellen.

Aber ich will nicht so grämen. Manchmal bricht halt aus mir raus, aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass ich dankbar dafür bin, dass mein Körper ein Kind geboren & genährt hat. Dass ich voll funktionsfähige Beine, Füße, Arme, Hände, Augen, Ohren etc habe und ich jeden Tag aufstehen und meine Arbeit verrichten kann. Ich finde, da kann ich wirklich dankbar dafür sein.

Überhaupt ist die Dankbarkeit wunderschön und mächtig. Mein ganz persönliches Highlight als Schlüssel zur Verbundenheit. Es ist im Laufe des Lebens abhanden gekommen und nun erinnere ich mich wieder daran, wie ich das schon ganz automatisch als Kind jeden Tag gelebt habe und habe es wieder voll in mein Leben integriert. Es ist so wohltuend!

Dankbarkeitstagebuch

Herzlichst
von der fast 40 Jahre alten Steffi

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